Begrüßungsrede des Präsidenten der Eigentümerschutz - Gemeinschaft Haus & Grund Sachsen Herrn Dr. Ungethüm anlässlich des Verbandstages am 12.11.05 in

Verehrte Ehrengäste und Delegierte,
sehr geehrter Prof. Milbradt,

ich begrüße Sie zum Verbandtag der Sächsischen Eigentümerschutz ? Gemeinschaft
Haus & Grund hier in Kamenz auf dem Hutberg.

?Auferstanden aus Ruinen?, wem sind in diesen Tagen, anlässlich der Einweihung der Dresdener Frauenkirche, nicht diese Zeilen durch den Kopf gegangen. Eine Aufbauleistung, ja fast ein Wunder, mit unglaublicher Symbolwirkung.

15 Jahre Deutsche Einheit, 15 Jahre Aufbau Ost und 15 Jahre Haus & Grund Sachsen. Viele unserer Vereine feierten in diesem Jahr dieses Jubiläum.

Sachsen ist schön geworden, schöner als es jemals war. In den vergangenen 15 Jahren wurde eine gewaltige Aufbauarbeit geleistet.
Chemnitz und Plauen hatten seit dem Krieg kein Zentrum mehr und haben jetzt wieder eine belebte Innenstadt.
Leipzig hat sich herausgeputzt und wird im kommenden Jahr würdiger Gastgeber für die Fußballweltmeisterschaft sein. Aber auch die kleineren Städten und Gemeinden Sachsens sind nicht wieder zu erkennen. Heute fährt man durch die Lande und muss man vielerorts suchen um ein Haus zu finden, dessen Dach noch nicht neu gedeckt wurde.

Unsere Haus & Grundeigentümer waren die ersten, die, dem Eigentum verpflichtet, viel Geld und selbst Pinsel und Farbe in die Hand nahmen um ihr Eigentum nicht nur schöner sondern auch 40 Jahre Kommunismus und Enteignung vergessen lassen wollten.

Damals, zur Gründung unserer Vereine reichten oftmals die Säle nicht und Viele hatten nur einen Stehplatz. Viel hat sich seither geändert. Damals hatten wir Wohnungsnot und heute Leerstände und Abriss. Bei den privaten Eigentümern hat oftmals die Euphorie der Ernüchterung Platz gemacht. Neben dem vielen Schönen was im Lande entstand gibt es eben auch Abwanderung und eine schlimme demographische Entwicklung.

Und der Zukunft zugewandt, heißt es im zweiten Halbsatz der Becher - Hymne.
Sachsen wird bis 2020 noch einmal etwa 15 Prozent seiner Bevölkerung verlieren. Diese Entwicklung ist nicht überall gleich. Dresden und Leipzig haben eine fast ?normale? demographische Entwicklung. Die Lausitz und das Westergebirge werden aber deutlich stärker verlieren. Schon schlimm genug der Bevölkerungsverlust, aber diese Entwicklung ist zudem noch mit einer schnellen Überalterung verbunden.
?Wo der Mensch geht kommt der Wolf? beschreibt die Studie Deutschland 2020, die Entwicklung in der Oberlausitz ? Niederschlesien. Meine Heimatregion Westsachsen wird die älteste in Deutschland sein. Fast 40 % der Bürger werden 2020 über 60 Jahre alt sein. In manchen Städten werden schon heute nur noch annähernd halb so viele Menschen geboren wie sterben. Die Bürgermeisterin von Schwarzenberg fragte anlässlich der Eröffnungsveranstaltung zum Modellregion Westerzgebirge zu dieser Entwicklung: ?Bleiben denn die Menschen die jetzt geboren werden oder fehlen sie für die Arbeitsplätze, die in der Region sind??
Fertige Antworten auf diese gesellschaftlichen Schrumpfungsprozesse hat wohl niemand.

Der Rückbau der leeren Wohnungen und Häuser in den Städten und Dörfern ist ein Weg dem gesellschaftlichen Schrumpfungsprozess zu begegnen. ?Stadtumbau Ost? war einst konzipiert um den Folgen des demographischen Wandels zu begegnen. Hier klemmt die Säge aber gewaltig. Schon vor zwei Jahren habe ich im Ausschuss für Verkehr ? Bau und Wohnungswesen des Bundestages bemängelt, dass die Regelungen des Stadtumbauprogramms, trotz der großen Leerstände im privaten Bereich zu stark auf große Wohnungsunternehmen zugeschnitten sind. Henry Nitzsche erinnert sich vielleicht daran. Mittlerweile tragen die privaten Eigentümer die Hauptlast des Leerstandes.
Die Behauptung, dass Private vom Rückbau der kommunalen und Genossenschaften profitieren würden, stimmt nicht. Ich verweise auch auf den jüngsten Bericht des Landesrechnungshofes zum Programm ?Stadtumbau Ost?, der auf die fehlende Integration der privaten Eigentümer im Programm aufmerksam gemacht hat: ?Trotz des hohen Anteils der Privaten am Wohnungsleerstand bezogen die Kommunen wegen fehlender Instrumente Private kaum in die Erarbeitung des InSEK und in den Stadtumbauprozess ein. "
Deshalb die Bitte an den Ministerpräsidenten mit auf den Weg zu nehmen, dass unsere Haus & Grund Vereine als Träger öffentlicher Belange in den Städten bei der Erarbeitung des InSEKs wenigstens gehört werden müssen.

Die Untenehmen des GdW (Kommunale und Genossenschaften) schreiben wieder schwarze Zahlen. Für viele unserer Mitglieder wird die Lage immer schwieriger. Mit dem GF des Leipziger Haus & Grund Vereines Herrn Mau war ich im Innenministerium bei Dr. Buttolo um auf den Gleichbehandlungsgrundsatz hinzuweisen, da immer mehr ?Privaten? der Verlust der wirtschaftlichen Existenz droht.

Verlierer sind aber auch unsere historischen Innenstädte. Schrumpfung, dass stellen wir uns wie einen Luftballon vor. Von außen nach innen kleiner werdend. So läuft es leider nicht. Städte und ihre Strukturen werden löchrig wie ein Schweizer Käse und schon droht neues Unheil durch nicht mehr bezahlbare Infrastrukturkosten.

Frischwasser und Abwasserleitungen, durch die nicht mehr genug Wasser läuft. Die Unternehmen der Wasserwirtschaft haben nicht selten Fixkosten von 80%. Was passiert aber, geht die Bevölkerung 20% und der spezifische Verbrauch um weiter 20 % zurück? Der Leiter der Demographiekommission Prof. Thum warnte davor, dass sich diese Kosten schnell vervielfachen können.
Es darf nicht dazu kommen, dass wir in Sachsen zwar wegen des Leerstandes tiefe Mieten haben aber deutlich höhere Mietnebenkosten als in den alten BL.
?Kommunale Gebühren Abgaben und Preise steigen! Aber die Sachsen werden immer weniger....und die bleiben zahlen immer mehr!? Das haben wir in unserem Werbeflyer geschrieben um auf die Situation aufmerksam zu machen.

Abschließend möchte ich auf den offenen Brief zum Thema Energiepreise aufmerksam machen. Wir haben uns schon vor einem Jahr in die Debatte eingemischt. Unsere Bitte an die politisch Verantwortlichen, sich in Sachsen und im Bund für bezahlbare Energiepreise einzusetzen. Genehmigen Sie die beantragten höheren Strompreise nicht und lassen Sie keine weitere Erhöhung der Gaspreise in Sachsen zu.

Bei allen Problemen die ich angesprochen haben möchte ich dennoch versichern, dass die Haus & Grund Eigentümer Sachsens weiter mit helfen, dass unsere Städte und Gemeinden schöner und attraktiver werden. Es gibt dazu keine Alternative.

Unsere Stärken stärken, Anziehungspunkte schaffen, so wie in Zittau erst vor wenigen Tagen dem kleinen Fastentuch, als ein kulturhistorisches Zeugnis ersten Ranges in Deutschland, im Franziskanerkloster eine Dauerausstellung gewidmet wurde. Unser Ministerpräsident Prof. Milbradt war beim Festakt der Einweihung dabei und Tausende Besucher haben in den Tagen die Ausstellung besucht. Zittau und Sachsen ist um eine Attraktion reicher!
Für ein noch schöneres Sachsen, Haus & Grund ist dabei!

Ich wünsche dem Verbandstag einen guten Verlauf!




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