Chemnitz: ?Anleitung zur Stadtzerstörung?

?Nach der Wende punktete Chemnitz mit einer perfekten Stadtmitte. Nun aber dezimiert man mit kopfloser Abrisspolitik das architektonische Erbe,? stellt Bartetzky einleitend fest.
?Zwischen 1990 und 2007 wurden mehr als 250 Baudenkmale eingeebnet, seitdem nimmt der Tanz der Abrissbagger immer wildere Formen an?Für die Beschreibung des heutigen Zustandes wäre das Bild vom Schweizer Käse ein Euphemismus: Geschlossenen Stadtfronten sind mittlerweile eine Seltenheit, zwischen den erhaltenen Fragmenten einstiger Pracht breiten sich gähnende Brachen aus, beschreibt Bartetzky das derzeitige Stadtbild. Kurskorrekturen zur Aufwertung historischer Stadtquartiere, wie beispielsweise in Leipzig, sind nicht in Sicht. Die Stadtperforation breitet sich ungehemmt aus.

?Je ungehemmter sich die Bagger durch die Stadt wühlen, desto lauter werden die Bürgerproteste gegen den Raubbau? Doch die bisherige Abrisspraxis wirkt so kopflos wie verheerend? Die neuen Brachen zeugen von äußerster Rücksichtslosigkeit gegenüber dem Stadtorganismus. Als wären antiurban eingestellte Teufel am Werk, konzentrieren sich die Abbrüche auf Stellen, an denen sie den größtmöglichen Schaden für das städtebauliche Umfeld anrichten. So werden bevorzugt die stadtbildprägenden Eckhäuser, deren Fall meist einen Dominoeffekt innerhalb des gesamten Karrees auslöst?Mit Vorliebe reißt man auch die halbwegs geschlossenen Häuserreihen auf ? geißelt Bartetzky die Chemnitzer die kopflose Stadtzerstörung.
Abschließend stellt der Autor fest: ? Nicht das es in Chemnitz an Ideen zur Umnutzung schwer vermietbarer Häuser fehlen würde. Doch die Stadt hat alle Skrupel verloren, selbst die Viertel mit hohem Entwicklungspotential zu zerfleddern. Die Selbstverstümmelung ist die einzige Antwort auf den Einwohnerschwund. Sie wird ihn auf diese Weise nur beschleunigen.?

Bleibt zu Hoffen, dass sich Chemnitzer Kommunalpolitiker, die Stadtverwaltung und der Freistaat den Artikel zu Herzen nehmen und eine Wende herbeiführen. Wem es bislang noch nicht klar war: In Chemnitz, der drittgrößten sächsischen Stadt, steht die Zukunftsfähigkeit auf dem Spiel und das kann keinen Sachsen kalt lassen! Bartetzys Wort gilt etwas und wird auch im Tiefensee Ministerium, welches für den ?Aufbau Ost? , - besser Abriss Ost -, verantwortlich zeichnet, gehört.

Th. Ungethüm

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