Neues aus dem Hause Tiefensee? Sanierung der Plattenbauten am Stadtrand geht weiter!

In einer Pressemitteilung des BMVBS wird dem geneigten Leser mitgeteilt wie das Ministerium Tiefensee das Wachstum in Deutschland sichern will, was ja in der zu erwartenden Rezession besonders wichtig ist.
"Ich freue mich, dass der Haushaltsausschuss den Weg für Investitionen und Arbeitsplätze frei gemacht hat. Ich danke den Abgeordneten für dieses klare Signal. Wir haben eine Rekordmarke erreicht. Im kommenden Jahr werde so viel Geld in die Verkehrsinfrastruktur und in die Gebäudesanierung investieren, wie nie zuvor. In die Verkehrswege investieren wir die Rekordsumme von 11,2 Milliarden Euro. Wir bauen unsere Erfolgsprogramme zur energetischen Sanierung von Gebäuden und zur Stadterneuerung deutlich aus?, so Minister Tiefensee.

Da werden, wie von allen Experten gefordert, weitere Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur angekündigt und auch von einem Ausbau der Erfolgsprogramme zur energetischen Sanierung und zur Stadterneuerung wird gesprochen. Eigentlich nur frohe Botschaften könnte man denken wären da nicht auch von einem ?neuen Programm zur Sanierung Großwohnsiedlungen wird aufgelegt. Damit können 100 Siedlungen auf modernen Standard gebracht und die Heizkosten in den Siedlungen gesenkt werden,? so die Pressemeldung.
Gemeint sind die Plattenbausiedlungen, die mit zusätzlichen Fördermitteln eine neue Verjüngungskur erhalten sollen. Hatten nicht aber die Experten in den Statusberichten der Bundestransferstelle davor gewarnt weitere Investitionen in den Plattenbaugebiete zu stecken?

?In den Plattenbaugebieten muss, gerade bei der Umsetzung von Aufwertungsmaßnahmen, in noch viel stärkerem Maße die Frage nach einer langfristigen Tragfähigkeit gestellt werden. Manche Akteure (Wohnungsunternehmen wie auch Kommunen) tun sich (auch angesichts in der Vergangenheit getätigter Investitionen) schwer, die Zukunftsfähigkeit einzelner Wohnungsbestände realistisch einzuschätzen. Die derzeit anstehende Fortschreibung der städtebaulichen Entwicklungskonzepte zeigt, dass der notwendige Rückbaubedarf in der ersten Phase des Stadtumbaus in vielen Fällen deutlich unterschätzt wurde. Werden diese Signale nicht ernst genommen, besteht in bestimmten Fällen die Gefahr weiterer Fehlinvestitionen in Bestände, die langfristig möglicherweise nicht zu stabilisieren und auf dem Wohnungsmarkt abzulösen sind. Strategische Entscheidungen dürfen sich dabei nicht allein auf die bestehenden Wohnpräferenzen der derzeitigen Bewohner in den Plattenbausiedlungen stützen.?

Die Plattenbauten wurden in weiten Teilen schon in den frühen 1990er Jahren modernisiert. Und das in der Regel mit Millionen-Krediten, mit denen die Häuser noch heute belastet sind. Dazu ist das Durchschnittsalter der Mieter in den Plattenbausiedlungen in allen Städten deutlich höher als im restlichen Stadtgebiet. Daran hat auch die Hartz IV bedingte Umzugswelle nichts geändert. Die Fachleute sind sich über die Perspektiven des sozialistischen Wohnmodells einig und nun frische Geld für eine neue Sanierungswelle?
In diesem Wissen ein spezielles Programm zur energetischen Sanierung der Plattenbauten ist pure Geldvernichtung.
Ich habe anlässlich der kürzlich in Leipzig stattgefundenen Kongress ?Herausforderung Energieeffizienz für Denkmalschutz und Stadtumbau? darauf aufmerksam gemacht, dass die neuen kreditfinanzierten Förderprogramme zur energetischen Sanierung nicht ausreichen, da viele private Eigentümer die Notwendigkeit zwar einsehen, ihnen auf Grund laufender Kreditbelastungen aus der Grundsanierung ihrer Bestände für Dach, Fußböden, Sanitär, Heizung und Fassade kein Spielraum bleibt neue Kredite für die energetische Sanierung aufzunehmen. Zudem ist die Refinanzierung über die Mieten verteilt auf 10 Jahre ein wirtschaftlich riskantes Wagnis.

Der Bürgermeister aus Güstrow sagte es auf seine Weise: ?Frau Merkel schafft das nicht alleine?, und meinte damit die ehrgeizigen Pläne der Bundesregierung von Meeseberg zur CO2 Einsparung, bezogen auf die energetische Sanierung der Wohngebäude.
Dem sei hinzugefügt, dass es ohne die privaten Vermieter auch nicht gelingt. Werden jedoch die Plattenbauten weiter aufgehübscht anstelle sie abzureißen wird es wohl künftig immer weniger private Vermieter geben. Ganz abgesehen von den Städten, die ihr Gesicht durch den Verlust stadtbildprägender Bauten immer mehr verlieren.

Es ist traurig in einer Demokratie, die sich auf das private Eigentum stütz und in der das Eigentum nach dem Grundgesetz besonders geschützt ist, dass immer wieder kommunales ? und genossenschaftliches Eigentum, koste es was es wolle, im Wettbewerb um den Mieter besser gestellt wird.

40 Prozent der Vermieter im Osten vermieten unter Kosten und etwa der gleiche Teil vermietet gerade mal kostendeckend. Schade nur, dass wir keine politische Lobby haben um auch nach Milliarden zu betteln. Diese Vermieter sind jedoch der Mittelstand, falls das vergessen wird und bei künftigen Wahlen nach Erklärungen gesucht wird.

Th. Ungethüm





« zurück