Stoppt den staatlich geförderten Abriss ganzer Altbauquartiere!

In den ostdeutschen Städten, z.B. in Chemnitz und in Leipzig, werden zunehmend auch Altbauten abgerissen. Denkmalgeschütze Häuser, ganze Straßenzüge und Plätze werden platt gemacht. Die massenweise Vernichtung dieser historischen Bausubstanz lässt manche Stadt, manches Stadtviertel kaum wiedererkennen. Dort wo einst die Gründerzeithäuser standen breitet sich Grün aus.
Immer mehr Bürger, denen bewusst wird, was mit ihrer Stadt geschieht, reagieren betroffen, sind entsetzt und erbost über den Frevel an der Baukultur. Pessimismus macht sich breit, denn Zukunft braucht Herkunft, brauch Identität und Heimat.

Viele Gebäude, die den Krieg überlebten, fielen in den 70ern des vergangenen Jahrhunderts der DDR Baukultur zum Opfer, mussten den Plänen für das neue Antlitz der sozialistischen Städte mit ihren Plattenbauten weichen.
Das, was noch an ?Altem? stehen blieb, gehörte meist Privatleuten, die durch die ruinöse Mietpreisbindung zu DDR Zeiten nicht in der Lage waren notwendige Instandhaltung an ihren Häusern durchzuführen und ihr Eigentum nach und nach der Stadt schenkten.

Nach der Wende wurde dieses, nun kommunale Eigentum, durch Vermögenszuordnung den kommunalen Wohnungsunternehmen übereignet. Rückübertragungsansprüche der Alteigentümer wurden abgebügelt und Restitutionsverfahren die länger dauerten führten dazu, dass nicht einmal mehr das Notwendigste an den Häusern getan wurde. Immer mehr Verfall durch unterlassene Instandhaltung und Modernisierung. So wurden diese Häuser leergemietet.
Dann gab es aus DDR Zeiten noch diese ?Altschulden? für die Plattenbausiedlungen. Diese mussten die neuen kommunalen Wohnungsunternehmen mit übernehmen. Diese Altschulden wurden pro qm Wohnungsbestand auf das Unternehmen umgelegt. Damit wurde auch die Altbausubstanz, für die das kommunale Wohnungsunternehmen keinen Pfennig zu zahlen brauchte, mit Altschulden aus den modernen sozialistischen Wohngebieten belastet!

Der Abriss wird zum Geschäft für das kommunale Wohnungsunternehmen. Neben der Abrissförderung von derzeit 60 Euro/qm für den Abbruch, Leerzug und Umzug sowie die anschließende Begrünung, wird auch noch einmal ?Altschuldenhilfe? in etwa der gleichen Größenordnung gezahlt, obwohl die abgerissenen alten Gebäude ja gar nicht mit Altschulden belastet waren. Mit dieser fragwürdigen Altschuldentilgung sinkt die Kreditbelastung des Wohnungsunternehmens und verschafft ihm die Möglichkeit neue Kredite aufzunehmen. Neue Liquidität, die dazu genutzt werden soll, Fördermittel ?zu kaufen?, um über BID und Aufwertung Stadtumbau Ost in den Plattenbaugebieten am Rande der Stadt sozialistischen Städtebau zu vollenden.

Nun rollt, staatlich gefördert, die zweite Vernichtungswelle über unsere ostdeutschen Städte und viele Bürger sind betroffen, dass ihre Stadt, ihre Heimat immer gesichtsloser wird.

?Der Abrissrausch ist tödlich für Chemnitz?, titelte unlängst die Freie Presse nach Bürgerprotesten und der Frage nach den Verantwortlichen für dieses städtebaulich kritikwürdige Handeln. Solange der Abriss historischer Bausubstanz ein lukratives Geschäft ist, trifft diese Feststellung sicher nicht nur auf Chemnitz zu.

Dr. Thomas Ungethüm
Haus & Grund Sachsen

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